Informationsbewertung von Microblognachrichten

…lautete ein Referat im Masterstudiengang, dessen Ergebnisse ich euch nicht länger vorenthalten will. Es handelte sich um einen explorativen Versuch. Im ersten Teil soll es zunächst um den „Raum“ gehen, besser bekannt als Twittersphäre. Wer einigermaßen in der Materie steckt, evtl. den ein oder anderen Artikel bereits zum Thema „Twitter“ gelesen hat, kann den nächsten Absatz gelassen überspringen. Da ich in den letzten Wochen und Monaten die folgenden Inhalte immer wieder vor die Nase gesetzt bekommen habe, darf dies in meinem Blog natürlich nicht fehlen und wird nun nachfolgend rachegelüstern noch einmal wiedergekäut.

– Zeichenbegrenzung: 140 Zeichen, ca. 10 Wörter
– geringe technische Barriere
– i.d.R. öffentlich einsehbar
– Follower i.d.R. zustimmungsfrei abonnieren
– wichtige Mittel zur Kommunikation: ReTweets, hashtags (#Wissensmanagement), @…um Antworten auf Tweets einzuleiten
– Phämomen Kurz-URL, die den eigentlichen Link und damit Inhalt verschlüsselt (Fluch und Segen zugleich, aber dazu später mehr…) => bspw. bitly-Adressen oder TinyURL

Das Hashtag (#…) – wohl das aktuell wichtigste Mittel zur Kategorisierung von Inhalten – ist dabei oft selbst Mitbegründer sog. Twitter idioms, welche meist einen eigenen Raum bilden, z.B.

– #pork => vermeindliche Verschwendung von Steuergeldern (US Haushalt)
– #loveitwhen => (Emotionen)
– #followerpower (Fragen, Umfragen, Hilfegesuch, etc.)

Hashtags sind ebenso wie die meisten Tweets vergänglich und stehen meist für ein temporär begrenztes Phänomen (vgl. Huang et al 2010), bspw. dem Tsunami in Japan  Anfang 2011. Sinnvoll ist die Umschreibung der Hashtags mit „user generated metadata“ (vgl. Efron 2011, S. 1001), wobei dies auch einige Probleme mit sich bringt. Was habe ich nicht schon alles für #-tags zum Thema Wissensmanagement gesehen: #wissensmanagement, #wissmgmt #wissensmana… oder #wm – lezteres mündet oft in Beiträgen zur Fußball-WM…die Herausforderung der Standardisierung bleibt also weiterhin bestehen.

Für ebenso wichtig halte ich die Betrachtung der verschiedentlichen Klientel, welche auf Twitter anzutreffen sind und (selbstverständlich) verschiedene Inhalte produzieren, die evtl. erst rückwirkend für die ein oder andere Nutzergruppe interessant sein können. Folgende Grafik bildet ein paar Charaktere ab:

Twitter Profiles

Profiles of a Twitter User – gefunden hier: http://tinyurl.com/y9eusqt

Die Twittersphäre ist also ziemlich ambivalent, was die Informationsbewertung nicht gerade einfacher macht und eine Pauschalisierung von vornherein ausschließt. Twitter ist demnach, je nach Wahl „Quasselinstrument“ oder (wissenschaftliche) Informationsressource.
Zwei weitere Umschreibungen sind:

– dynamische Datenbank
– „user-driven real time information service“ (vgl. Naamann; Becker; Gravano 2011, S.1)

Die für mich passendste bisher gefundene Beschreibung gehört jedoch klar Zhao und Rosson mit ihrem „people-based-RSS“ (vgl. 2009, S.247).

Literatur:

Efron, M. (2011): Information Retrieval in Microblogs. In: JASIST, 62 (6): 996-1008).

Huang J.; Thornton M.;Efthimiadis E.N. (2010): Conversational Tagging in Twitter. In: Proceedings of the 21st Conference of Hypertext and Hypermedia, New York, NY. 173-178. Klick

Naamann, M.; Becker, H.; Gravano, L. (2011): HIP AND TRENDY: CHARACTERIZING EMERGING TRENDS ON TWITTER.  In: JASIST, 62 (5). Klick

Zhao, D.; Rosson M.B. (2009): How and Why People Twitter: The Role that Micro-Blogging Plays in informal Communication at Work. In. Proceedings of the ACM 2009 International Conference on Supporting Group Work, Sanibel Island, Fl. S.243-252. Klick


Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s